Il sogno di Maria

Marias Traum

Nel grembo umido, scuro del tempio,
Im feuchten, dunklen Schoss des Tempels,
L’ombra era fredda, gonfia d’incenso;
Der Schatten war kalt, mit Weihrauch erfüllt;
L’angelo scese come ogni sera,
Der Engel stieg herab wie jeden Abend,
ad insegnarmi una nuova preghiera:
Um mir ein neues Gebet zu lehren:
Poi, d’improvviso mi sciolse le mani
Dann, plötzlich löste er meine Hände
E le mie braccia divennero ali,
Und meine Arme wurden zu Flügeln,
Quando mi chiese conosci l’estate
Als er mich fragte: kennst du den Sommer
Io, per un giorno, per un momento,
Lief ich, für einen Tag, für einen Augenblick,
Corsi a vedere il colore del vento.
Um die Farbe des Windes zu sehen.

Volammo davvero sopra le case,
Wir flogen tatsächlich über die Häuser,
Oltre i cancelli, gli orti, le strade,
Weiter als die Tore, die Gärten, die Strassen,
Poi scivolammo tra valli fiorite
Dann glitten wir durch blühende Täler
dove all’ulivo si abraccia la vite.
Dort, wo die Weinrebe den Olivenbaum umarmt.

Scendemmo là, dove il giorno si perde
Wir stiegen ab, dort wo der Tag sich verliert
A cercarsi da solo nascosto nel verde,
Um uns selbst zu suchen, im Grünen versteckt,
E lui parlò come quando si prega,
Und er sprach so als würde er beten,
ed alla fine di ogni preghiera
Und am Ende eines jeden Gebetes
contava una vertebra della mia schiena.
Zählte er einen Wirbel auf meinem Rücken.

Le ombre lunge dei sacerdoti
Die langen Schatten der Priester
costrinsero il sogno in un cerchio di voci.
Zwangen den Traum in einen Kreis aus Stimmen.

Con le ali di prima pensai di scappare
Ich überlegte mit den Flügeln von vorhin zu entkommen
Ma il braccio era nudo e non seppe volare:
Doch der Arm war nackt und konnte nicht fliegen:
poi vidi l’angelo mutarsi in cometa
Ich sah den Engel sich in einen Kometen zu verwandeln
E i volti severi divennero pietra,
Und die strengen Gesichter wurden zu Stein,

Le loro braccia profili di rami,
Ihre Arme – wie Äste
Nei gesti immobili di un altra vita,
In den bewegungslosen Gebärden eines anderen Lebens,
Foglie le mani, spine le dita.
Blätter die Hände, Dornen die Finger.

Voci di strada, rumori di gente,
Stimmen von der Strasse, Geräusche von Menschen,
Mi rubano al sogno per ridarmi al presente.
Stahlen mich aus dem Traum um mich der Gegenwart zurückzugeben.

Sbiadì l’immagine, stinse il colore,
Das Bild verblasst, die Farben bleichen aus,
Ma l’eco lontana di brevi parole
Doch das entfernte Echo von kurzen Wörtern
Ripeteva d’un angelo la strana preghiera
Wiederholte das eigenartige Gebet eines Engels
Dove forse era sogno ma sonno non era
Wo es vielleicht Traum, aber nicht Schlaf war
– Lo chiameranno figlio di Dio-
– Sie werden ihn Gottes Sohn nennen –
Parole confuse nella mia mente,
Wirre Wörter in meinem Kopf,
Svanite in un sogno, ma impresse nel ventre.
Verflogen im Traum, jedoch eingeprägt im Leib.

E la parola ormai sfinita
Und das nun verflogene Wort
Si sciolse in pianto,
Löste sich in Tränen auf,
Ma la paura dalle labbra
Die Angst der Lippen aber
Si raccolse negli occhi
Sammelte sich in den Augen
Semichiusi nel gesto
Halb geschlossen in dem Trugbild
D’una quiete apparente
Einer scheinbaren Ruhe
Che si consuma nell’attesa
Die sich verzehrt in der Erwartung
D’uno sguardo indulgente.
Eines nachsichtigen Blickes.

E tu, piano, posasti le dita
Und du legtest langsam die Finger
All’orlo della sua fronte:
An den Rand ihrer Stirn:
I vecchi quando accarezzano
Alte Menschen, wenn sie streicheln
Hanno il timore di far troppo forte.
Befürchten zu grob zu sein.

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