Piazza Alimonda

Piazza Alimonda (1)

Genova, schiacciata sul mare, sembra cercare
respiro al largo, verso l’orizzonte.

Genua, eingequetscht am Meer, scheint in der Ferne,
Richtung Horizont, nach Atem zu ringen.

Genova, repubblicana di cuore, vento di sale,
d’anima forte.

Genua, republikanisches Herz, salziger Wind,
starke Seele.

Genova che si perde in centro nei labirintici vecchi carrugi,
parole antiche e nuove sparate a colpi come da archibugi.

Genua, die sich im Labyrinth der alten carrugi verliert,
Alte und neue Worte wie Schüsse aus einer Hakenbüchse.

Genova, quella giornata di luglio, d’un caldo torrido
d’Africa nera.

Genua, dieser Tag im Juli, ein Tag voll sengender Hitze
Aus Schwarzafrika.

Sfera di sole a piombo, rombo di gente, tesa atmosfera.
Nera o blu l’uniforme, precisi gli ordini, sudore e rabbia;
facce e scudi da Opliti, l’odio di dentro come una scabbia.

Die Sonne senkrecht, eine Raute Menschen, gespannte Atmosphäre.
Schwarz oder blau die Uniformen, präzise Anweisungen, Schweiß und Wut;
Gesichter und Schilder wie Hopliten (2), der Hass im Inneren wie eine Krätze.

Ma poco più lontano, un pensionato ed un vecchio cane
guardavano un aeroplano che lento andava macchiando il mare;
una voce spezzava l’urlare estatico dei bambini.

Ein wenig weiter weg, ein Rentner und ein alter Hund
Schauten einem Flugzeug nach, das langsam das Meer beschmutzte;
Eine Stimme brach das verzückte Schreien der Kinder.

Panni distesi al sole, come una beffa, dentro ai giardini.
Uscir di casa a vent’anni è quasi un obbligo, quasi un dovere,
piacere d’incontri a grappoli, ideali identici, essere e avere,
la grande folla chiama, canti e colori, grida ed avanza,
sfida il sole implacabile, quasi incredibile passo di danza.

Wäsche, in der Sonne aufgehängt, wie ein Hohn, in den Gärten.
Mit zwanzig das Haus zu verlassen ist ein Muss, fast eine Pflicht,
Die Lust sich in Gruppen zu treffen, die selben Ideale, sein und haben,
die große Menge ruft, Gesang und Farben, sie schreit und schreitet vorwärts,
Fordert die unbarmherzige Sonne heraus in einem fast unglaublichen Tanzschritt.

Genova chiusa da sbarre, Genova soffre come in prigione,
Genova marcata a vista attende un soffio di liberazione.

Genua abgesperrt, Genua leidet wie im Gefängnis,
streng bewacht wartet sie auf einen Hauch von Befreiung.

Dentro gli uffici uomini freddi discutono la strategia
e uomini caldi esplodono un colpo secco, morte e follia.

In den Büros diskutieren eiskalte Menschen die Strategie
Und hitzige Menschen verbreiten mit einem trockenen Schuss, Tod und Wahnsinn.

Si rompe il tempo e l’attimo, per un istante, resta sospeso,
appeso al buio e al niente, poi l’assurdo video ritorna acceso;
marionette si muovono, cercando alibi per quelle vite
dissipate e disperse nell’aspro odore della cordite.

Es zerbricht die Zeit und der Augenblick
und für einen Moment bleibt alles im Dunkeln, im Nichts
Dann flimmert erneut das absurde Video;
Marionetten bewegen sich auf der Suche nach Alibis für die Leben,
Vertrieben und auseinander getrieben im herben Geruch von Kordit (3)

Genova non sa ancora niente, lenta agonizza, fuoco e rumore,
ma come quella vita giovane spenta, Genova muore.

Genua weiß noch nichts, siecht langsam dahin, Feuer und Lärm,
aber wie dieses ausgelöschte junge Leben, Genua stirbt.

Per quanti giorni l’odio colpirà ancora a mani piene.
Genova risponde al porto con l’urlo alto delle sirene.

Wie viele Tage noch wird der Hass mit vollen Händen zuschlagen.
Genua antwortet am Hafen mit dem schrillen Schrei der Sirenen.

Poi tutto ricomincia come ogni giorno e chi ha la ragione,
dico nobili uomini, danno implacabile giustificazione,
come ci fosse un modo, uno soltanto, per riportare
una vita troncata, tutta una vita da immaginare.

Dann beginnt der Alltag wieder und wer das Recht hat,
vornehme Herren, geben unerbittliche Rechtfertigungen,
als gäbe es eine Möglichkeit, eine nur, ein abgebrochenes Leben
ein Leben, das man sich nur vorstellen kann, zurückzubringen.

Genova non ha scordato perché è difficile dimenticare,
c’è traffico, mare e accento danzante e vicoli da camminare.
La Lanterna impassibile guarda da secoli gli scogli e l’onda.
Ritorna come sempre, quasi normale, piazza Alimonda.

Genua hat nicht vergessen, weil es schwer ist zu vergessen
Der Verkehr fliest wieder, Meer und tanzender Akzent und Gassen zu durchschreiten.
Gleichmütig wacht die „Lanterna“ (4) über Felsen und Wellen.
Und die Piazza Alimonda kehrt fast wieder zur Normalität zurück.

La „salvia splendens“ luccica, copre un’aiuola triangolare,
viaggia il traffico solito scorrendo rapido e irregolare.
Dal bar caffè e grappini, verde un’edicola vende la vita.
Resta, amara e indelebile, la traccia aperta di una ferita

Der Feuersalbei glänzt, bedeckt ein dreieckiges Beet
Schnell und unregelmäßig fliest der übliche Verkehr
Aus der Bar Kaffee und Grappa, ein grüner Zeitungs-Kiosk verkauft das Leben.
Bitter und unauslöschlich bleibt die Spur eine offene Wunde.

(1) Am 20.07.2001 kam der Demonstrant Carlo Giuliani bei gewalttätigen Auseinandersetzungen mit der Polizei auf der Piazza Alimonda anlässlich des G8-Gipfels in Genua ums Leben
(2) Griechische Infanteristen mit ovalen Schutzschildern
(3) Kordit ist ein Explosivstoff, der als Treibmittel für Gewehrpatronen benutzt wird
(4) La Lanterna ist der alte Leuchtturm von Genua

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